Sustainable fashion
by Rhumaa

Sustainable Fashion: Wohin geht die Bewegung?

Neben dem Thema Fashion Tech setzt sich die Berliner Modeindustrie ganz besonders mit dem Thema der nachhaltigen Mode auseinander. Seit Jahren findet im Rahmen der Berlin Fashion Week die Messe Green Showroom und dazu die Ethical Fashion Show statt und verkündet neben Besucherrekorden auch jedes Jahr eine Zunahme der Aussteller.

Doch wohin geht die nachhaltige Bewegung in der Mode? Wir sprachen mit Designerin Magdalena Schaffrin, Creative Director, Sustainability des Green Showroom Berlins.

Der größte grüne Trend der Modeindustrie heißt derzeit "Circularity", zu Deutsch auch unter Kreislaufwirtschaft bekannt, eine Idee, sie wir bereits seit Jahrzehnten aus anderen Bereichen der Produktherstellung kennen. Grundsätzlich geht es hierbei darum, keinen Müll zu produzieren, denn die Natur kennt keinen Abfall. Viele Menschen machen es vor und online wie offline vergrößert sich die Gemeinschaft der "Zero Trash" Zelebrierer. Man will von Ressourcen sprechen, die in einem Kreislauf immer wieder zum Anfang zurückkommen, um für eine weitere Produktion genutzt werden können. Die Vorraussetzung dafür ist, dass man ein Produkt bereits so entwirft, dass es auch wiederverwertbar sein kann. Die Entwicklung die derzeit an allererster Stelle im Bereich Sustainable Fashion steht.

Der Cradle 2 Cradle e.V. wurde dazu gegründet, um sich ganz besonders mit diesem Thema zu beschäftigen und sowohl Workshops, Podiumsdiskussionen und Projekte stattfinden zu lassen, die das Bewusstsein der Menschen wecken soll, die neuesten Konzepte und Innovationen vorstellt, sowie neue Ansätze bietet. Laut dem C2C e.V. bleiben Materialien in zwei Kreislaufen nützlich. Im biologischen Kreislauf werden ausschließlich Stoffe verwendet, die sich am Ende ihrer Nutzung biologisch abbauen können und im technischen Kreislauf werden die Materialien nach der Nutzung sortenrein getrennt, um vollständig wiederverwendet werden zu können. Es gibt viele verschiedene Ansätze und Konzepte, wie diese Produktkreisläufe in der Mode Zukunft funktionieren können, nur wird die komplette Umstellung wohl noch mehrere Jahre dauern. Jeder der möchte, kann Cradle to Cradle als Mitglied für diese nachhaltige Entwicklung unterstützen.

Auch große Unternehmen steigern Jahr für Jahr ihr Umweltbewusstsein und beschäftigen sich mit dem Thema Wiederverwertung. H&M beispielsweise entwickelte neben ihrer Conscious Collection auch eine H&M Conscious Foundation, die sich mit neuen Innovationen und Ideen beschäftigt und auch Preise für die innovativsten Ideen verleiht, wodurch diese mit einem Preisgeld weiter unterstützt werden. Bei H&M wird bereits seit Jahren das "Upcycling" als Thema behandelt. Jeder kann seine Altkleidung der Marke selbst in die Shops zurückbringen, erhält dafür einen Gutschein und der Großkonzern kümmert sich darum, dass die alten Stücke wieder eine neue Verwendung finden. Auch die bekannte Strumpfhosen Marke Kunert widmet sich dem Thema "Upcycling" und hat mit der Linie "Kunert Blue" angefangen, Strumpfhosen aus recycleten Fischernetzen herzustellen, welche aus dem Mittelmeer rausgezogen werden.

Viele Designer setzen sich mit genau diesem Thema auseinander und arbeiten mit Stoffresten aus der Massenproduktion oder mit Abfallprodukten, aus denen sie neue Kleidungsstücke schaffen. Beispielsweise gibt es das Unternehmen "Reet aus", dass es geschafft hat auch Upcycling Kleidung in Massen zu produzieren. Hinter dem Label steckt die gleichnamige Designerin. Sie fand heraus, dass allein mit den Stoffabfällen der Textilbranche 15% der Kleidung weltweit produzierbar sind. Zusammen mit dem Textilproduzenten Beximco (u.A. H&M & Zara) entwickelte sie ein einmaliges System namens "Upmade", womit man schon während der Produktion eine Wiederverwertung im Blick hat und bereits beim Zuschneiden darauf achtet, dass sich die Reste sinnvoll verwerten lassen. Zu kaufen gibt es die Kleidung dann bei beispielsweise Trash.to.

Ein weiteres wichtiges Thema der grünen Mode ist derzeit die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, was während des Green Showrooms diese Saison besonders thematisiert wird. Hierzu wird es ein Sonderareal zum Thema "ActiveSlow" geben, wie auch eine Podiumsdiskussion. Eine Studie von Patagonia hat nämlich gezeigt, dass ein großer Teil der Microplastics in den Weltmeeren neben der Plastikpartikel aus der Kosmetikindustrie auch die synthetischen Fasen sind, die in der Waschmaschine aus der synthetischen Kleidung ausgewaschen werden. Da die EU dieses Thema schon länger auf der Agenda hat, sind die Microplastics in der Kosmetikindustrie bereits verboten, sowie auch dünnwändige Plastiktüten im Jahr 2020 ein Ende finden müssen.

Als einen Lösungsansatz, bevor es zu einer gesetzlichen Regelung kommen kann, ist die "Guppy Bag" von der Marke Langbrett, die auf der Messe vorgestellt wird. Diese ist ein Waschbeutel, der die Fasern in der Waschmaschine einfängt, so dass sie nicht in die Gewässer gelangen können. Das Problem an den synthetischen Fasern ist nämlich, dass diese so klein sind, dass eine normale Kläranlage die Fasern nicht herausfiltern kann.

So sinnvoll und schön die "Upcycling" Konzepte sind, ist mit ihnen der gewünschte Kreislauf noch nicht hergestellt. Die Materialien sind nämlich nach der Nutzung ebenfalls wieder Abfallprodukte. Deswegen sind neue Ansätze Materialien herzustellen, die nie zu Abfall werden können so wichtig. Das bekannte ökologische und vegane Fair-Trade Unternehmen "Bleed" hat es beispielsweise geschafft plastikfreie Outdoorjacken aus Naturprodukten zu kreieren wie auch die Herstellung einer veganen Lederjacke. Das Modelabel Deepmello weiterhin hat ein Verfahren entwickelt womit man ohne Abfallprodukte Leder mit dem Naturprodukt Rhabarber gerben kann.

Durch die vielen Entwicklungen, die auch bei den größeren Labels stattfinden, hat man es geschafft, das eingestaubte Image der Öko-Mode einzustampfen. "Sustainable Fashion" ist heutzutage hochwertiger denn je, trendorientiert und zeitlos. Jeder kleine Schritt in diese Richtung und weg von der Fast-Fashion-Bewegung kann unsere Umwelt einen Stück retten. Deswegen hat der Green Showroom dieses Jahr seinen Schwerpunkt bei dem Thema "ActiveSlow". Hier zeigen Manufakturen und die internationale Kunsthochschule für Mode Esmod Berlin eine Auswahl prototypischer Funktionsbekleidung, die sich mit den Themen Ressourceneffizienz, Slowness und Kreislauffähigkeit auseinandersetzen, womit sich auch viele der 178 Aussteller beschäftigen.

Portrait "Faces of Fashion Week" mit Magdalena Schaffrin

 

Portrait "Faces of Fashion Week" mit Christin Bansleben von deepmello


Der Green Showroom Berlin und die Ethical Fashion Show Berlin:
17.-19. Januar 2017
Berlin Postbahnhof
Straße der Pariser Kommune 8
10243 Berlin

Dienstag / Mittwoch, 10 – 19 Uhr
Donnerstag, 10 – 17 Uhr
nur für Fachbesucher, Eintritt frei

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