16.01.2020

Interview mit Damur (Shih-Shun) Huang, dem Kreativdirektor von #DAMUR Interview mit Damur (Shih-Shun) Huang, dem Kreativdirektor von #DAMUR

In seinem Berliner Atelier in Kreuzberg trafen wir das Nachwuchstalent, um mit ihm über seine Visionen und die kommende Fashion Show im Januar zu sprechen.

2015 gründete der Modedesigner Shih-Shun Huang sein Label #DAMUR. Seine Entwürfe gelten als Synthese sozialpolitischer Diskurse und individuellem Fabulieren sowie der avantgardistischen Neuinterpretation traditioneller Kleidungskonzepte. Als Millennial sieht er die Pflicht seiner Generation darin, das fragile Gefüge der heutigen Welt zu hinterfragen und nutzt dabei die Mode als individuelles Sprachrohr zur Verdeutlichung seiner Perspektive und zum Aufbau eines Dialogs und der Interaktion mit anderen Menschen. Kollektionen wie #IAMSLUT oder #YouAreNotBlackEnough sind das Ergebnis seiner provokativen und wagemutigen Betrachtungsweise und Gestaltung.

Shih-Shun (Damur) lebte bereits an zahlreichen Orten weltweit, darunter New York, London, Brüssel, Antwerpen und Taipeh. Doch mit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2012 fand er schließlich das ideale Umfeld für die Schaffenswerke seiner kontroversen Mentalität.

In seinem Berliner Atelier in Kreuzberg trafen wir das Nachwuchstalent, um mit ihm über seine Visionen und die kommende Fashion Show im Januar zu sprechen.

Was ist die Vision von #DAMUR?

Bei meiner Arbeit geht es immer darum, eine Art Serie oder Film als Abbild des gegenwärtigen Lebens zu kreieren. Doch da ich kein Filmregisseur geworden bin, bediene ich mich stattdessen der Mode als Ausdruck meiner ganz persönlichen Geschichte – und das Saison für Saison und Jahr für Jahr. Wenn man heutzutage seine Meinung äußern will, nutzt man in den sozialen Medien ein Hashtag, um seine Aussage, seine Überzeugung und seine Stimme entsprechend kenntlich zu machen. Ich denke, Mode hat die Macht, mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten, ebenso lautlos wie ein Hashtag. Dabei betrachte ich Mode immer als ein Werkzeug, als eine Art Waffe zur Vermittlung der eigenen Perspektiven. Natürlich ist es am Ende des Tages immer noch ein Kleidungsstück, aber eben ein Kleidungsstück, in dem deine Stimme, deine Geschichte und Entwicklung zum Ausdruck kommen, und das immer den Moment und den Geist der jeweiligen Zeit widerspiegelt. Daher sehen wir das Hashtag in #DAMUR als ein magisches Symbol, das in der Lage ist, ohne Worte mit Menschen zu interagieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, die #-Filmreihe zu sehen, bei der ich persönlich Regie führe.

Welche Bedeutung hat die Berlin Fashion Week für die heimische und internationale Modebranche?

Ich denke, man muss schon ungewöhnlich sein, um das Leben in Berlin zu lieben – genau wie die Berlin Fashion Week. Ich komme ursprünglich aus Taipei, Taiwan, deshalb kann ich zwar nicht überregional für Deutschland sprechen, aber ich kann sagen, dass Berlin für mich die schönste und auch kreativste Stadt in Deutschland ist. Was denken Sie als Deutsche denn darüber?

Berlin birgt im Vergleich zur internationalen Modebranche großes Potenzial und bietet viele Vorteile. Es stimmt, dass sich Berliner vom Mainstream abheben wollen, und ich sehe das als eine wertvolle Möglichkeit, seine Andersartigkeit zu zeigen, ohne dabei verurteilt zu werden. Aber anders zu sein ist in diesem Business immer ein bisschen schwierig (er lacht).

In der Saison Herbst/Winter 19/20 wurden Sie mit dem „Premium Young Talents Award“ ausgezeichnet. Inwieweit hat das Ihre Karriere beeinflusst?

Das war eine wirklich segensreiche Zeit! Ich bin zutiefst dankbar für die Chance, die die Premium Group und Anita Tillman mir und #DAMUR gegeben haben. Als ausländischer, aber in Berlin ansässiger Designer ist es nicht immer einfach, sich ein Netzwerk aufzubauen. Ich habe nicht einmal hier studiert (sondern in Taipeh, Antwerpen und Brüssel), daher kannte ich, als ich 2012 nach Berlin kam, nicht eine einzige Person in der Stadt.

Der PREMIUM Young Talent Award hat mir mehr Türen zu lokalen Möglichkeiten geöffnet und verhilft #DAMUR damit zu größerer Präsenz. Ich denke, wir haben großes Glück, ein Modeunternehmen wie die Premium Group hier in Berlin zu haben und somit eine Plattform, auf der sich junge Talente präsentieren können.

Welchen Einfluss hat Berlin auf Ihre Arbeit?

Fendi beispielsweise zieht seine Inspiration aus der Stadt Rom, #DAMUR hingegen lässt sich von Berlin inspirieren. Dabei beeindruckt mich besonders der einzigartige und starke Charakter dieser Stadt. Eben das reale Leben, in dem sich Arme und Reiche in der U-Bahn die gleiche Sitzbank teilen. Als Künstler bist du hier frei, deine Emotionen in jedem Winkel der Stadt auszuleben. Ich frage mich manchmal, ob ich, wenn ich in einer anderen Stadt in Europa leben würde, trotzdem Kollektionen wie #IAMSLUT und #YouAreNotBlackEnough kreiert hätte. Wenn man sich auf unserer Website www.damur.fashion die erste Kollektion von 2015 im Vergleich zu heute anschaut, kann man wirklich sehen, wie Berlin mich in puncto Wagemut und Ausgelassenheit hat wachsen lassen und mir alle denkbaren Freiheiten gegeben hat.

In den meisten anderen Großstädten Europas muss man heutzutage zunächst viel Geld aufbringen, um eine (High-End-)Modemarke aufzubauen. Hier liegt der Wert jedoch an anderer Stelle. In Berlin muss man einfach cool genug sein, um aus der Masse herauszustechen. Berliner sind sehr offen, wenn es darum geht, andersartig und ausgefallen zu sein, und ich denke, dass sich der Stil eines Berliners durch hochwertige Streetwear auszeichnet.

Was können wir von Ihrer kommenden Show am Donnerstag, den 16.01.2020 erwarten?

In jedem Viertel in Berlin gibt es einen bestimmten Look und einen entsprechenden „Ball“. Dabei handelt es sich nicht um eine Fashion Show, sondern einfach um einen Ball in Berlin.

Es ist eine festliche Veranstaltung der #BerlinerRepublic – eine Party mit einer bestimmten Türpolitik: kein Schwarz. Es ist eine Nacht, in der zu sechs Lokalmatadoren getanzt wird: Curry 36, Griessmuehle, Salon Bordel, Tokyobike, Meisterschuh und DJ Christopher Jakobi – und dazu ein Hauch der östlichen Welt mit CSD Taiwan, Ovasitol, UniTouch und KinGirls als unsere besonderen Gäste.

Alle Gäste müssen als Reisepass ihre exklusiv von uns ausgestellte Einladung mitbringen, um die Grenze zu passieren und in die Griessmuehle einzureisen. Und das meinen wir wirklich ernst! Denn wir haben sehr hart für diese Veranstaltung gearbeitet.

Es wird eine fantastische Nacht werden und wir wollen eine Vielzahl von Menschen dafür begeistern. Daher haben wir außerdem alle in Berlin ansässigen Politiker, Vertreter der Stadt, Polizei und verschiedener Parteien sowie selbstverständlich Angela eingeladen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Antworten der Regierungs- und Behördenvertreter. Unser Ziel ist es, einen authentischen Dialog im Rahmen einer kreativen, entspannten und unterhaltsamen Atmosphäre zu schaffen.