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Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow, ©CASE STUDIES Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow, ©CASE STUDIES

Interview mit den CASE STUDIES Gründern Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow

Dass die Digitalisierung auch bei bei einer so traditionellen Handwerkskunst, wie dem Stricken Innovationen ermöglicht, zeigen Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow. Seit 2015 wendet das von ihnen ins Leben gerufene Berliner Label mit dem Namen CASE STUDIES für seine Mode- und Textilkollektionen die innovative Technik des Digital Craftings an. Was man darunter genau versteht und wie die Idee dazu entstanden ist, haben wir die Gründerin und den Gründer selbst gefragt:

Hallo Laura, Hallo Konstantin, könntet ihr beschreiben, was man sich genau unter dem Begriff Digital Crafting genauer vorstellen kann?

Wir verstehen unter Digital Crafting den Dialog zwischen digitalen Entwurfsprozessen, der technischen Realisierbarkeit, und in unserem Fall einem gestrickten textilen Ergebnis. Die digitale Gestaltung am Bildschirm, z. B. unter Einbeziehung von Algorithmen, hat zunächst nichts mit den technischen Bedingungen des Strickens zu tun, bietet aber ganz andere Möglichkeiten des Entwurfs und der Visualisierung. Das Stricken bleibt ein mechanischer Prozess, da steckt handwerkliches Wissen drin – Bindungen, Garne, Zugkraft. Um eine Verbindung zwischen den beiden Seiten herzustellen, sucht man die gemeinsamen Nenner und Kriterien. Die Übertragung vom Screen auf das reale Gestrick lässt sich dann technisch gut machen, allerdings ist das ästhetische Ergebnis kaum vorhersehbar. Wenn man über Farbwahrnehmungen nachdenkt, merkt man ganz konkret, wie man die Farbräume wechselt. So gibt es Farbharmonien, die in RGB vielversprechend wirken und im realen Wollstrick plötzlich merkwürdige Assoziationen hervorrufen. Es muss also immer wieder während des digitalen Entwurfsprozesses der reality check gemacht werden. Wir lieben dieses Ping Pong, da es uns einen Rest an Experiment und Zufall bewahrt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diese Technik einzusetzen?

Wir haben gegen Ende des Studiums nach einer Möglichkeit gesucht, die vorgegebenen Begrenzungen in der Strickgestaltung aufzuheben. Die Idee ist, weiterhin klassische Techniken wie den Jacquard zu nutzen. Mit Hilfe des digitalen Prozesses wird der Entwurf so aufbereitet, dass mit nur wenig Garnen sensible Farbnuancen, Verläufe und differenzierte sphärische Muster erzeugt werden können. Es war schnell klar, dass sich durch die Überkreuzung von digital x crafts eine ganz eigene Welt an Möglichkeiten eröffnet. Daraufhin haben wir beschlossen, eine Produktlinie zu entwickeln und gemeinsam das Label zu gründen.

Wie und wann ist das Label CASE STUDIES entstanden?

Vor dem Launch unserer ersten Kollektion im Jahr 2015 haben wir in einer Vorlaufzeit von zwei Jahren viel experimentiert und entwickelt. Wir haben uns die Zeit genommen, das Arbeiten mit industriellen Strickmaschinen und die Programmierung zu erlernen und die Techniken auch mal auszureizen. Nur so konnte am Ende ein überzeugendes Produkt entstehen, dass wir als etwas ganz Eigenes und Besonderes ansehen.

Warum ist Berlin der richtige Ort für CASE STUDIES?

Noch zieht die Stadt kreative Menschen und Künstler aus aller Welt an, um hier zu arbeiten und zu leben. Das gibt viel Input und Inspiration für die Arbeit. Es ist ein ständiges kreatives Rauschen im Hintergrund, das wir brauchen. Wir nehmen allerdings mit Sorge die vielen Veränderungen, wie die steigenden Mieten in der Stadt war. Solche Entwicklungen können das kreative Potenzial zerstören. Außerdem wünschen wir uns als junge Designer mehr Unterstützung durch das Land Berlin. Da sind andere Länder viel weiter. Berlin und sein Image lebt von den Kreativen, dass sollte auch in der Politik mehr Berücksichtigung finden.

Und zum Schluss noch ein kleiner Ausblick: Was ist für die Zukunft geplant?

In den ersten Jahren nach der Labelgründung haben wir ganz klassisch Mode und Accessoires für Männer und Frauen entworfen. Doch im Laufe der Zeit wurde dann bei uns und auch unseren Kunden der Wunsch immer stärker den Mustern mehr Raum und einen anderen Kontext zu geben. Im Interiorbereich kommen unsere Farbwelten auf großen Flächen nochmal ganz anders zur Wirkung. Wir haben so viele spannende Ideen, die wir neben der Mode gerne realisieren möchten. Wir begreifen uns daher inzwischen immer mehr als Textilstudio und arbeiten eher an saisonal unabhängigen Editionen.

Wir bedanken uns bei Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow für das schriftliche Interview.

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