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Interview mit LIZZY, der Drummerin und Erfinderin des 3D-Drum-Dress

Lizzy Scharnofske ist eine mehrfach preisgekrönte Drummerin und erfolgreiche Solokünstlerin, die seit einiger Zeit nicht mehr ausschließlich durch ihren charakteristischen Berliner Elektro-Pop von sich Reden macht, sondern auch durch ihr Instrument, das eine Mischung aus Kleid und Schlagzeug ist.

Für alle, die bisher noch nicht dazu gekommen sind, das 3D-Drum-Dress bei einem deiner Auftritte  auf der Bühne zu sehen Wie genau kann man sich dieses musikalische Wearable vorstellen?
Das 3D-Drum-Dress ist komplett in 3D gefertigt. Daher auch der Name. Es entstand zusammen mit Technikern und der Fashion-Tech Designerin Maartje Dijkstra.
Auf dem kabellosen Schlagzeugkleid sind acht Midi-Pads integriert und zwei Trigger unter den Schuhen angebracht und ich kann damit jeden Sound abfeuern, den man sich vorstellen kann. Das "3DDD" ist ein Gesamtkunstwerk in dem Mode, Technologie, Musik und Unterhaltung hervorragend kombiniert werden. Am besten ist es natürlich, es einmal live zu erleben!

LIZZY mit dem 3D-Drum-Dress, ©Timo Frank

Wie entstand die Idee zum "3DDD" und wie lange hat es gedauert, bis aus der Idee der erste Prototyp geworden ist?
Die Idee zu dem Wearable Drumset entstand 2012. Leute fliegen zum Mond und klonen Schafe, warum soll ich nicht tanzen können, während ich Schlagzeug spiele?!
Nach meinem Jazzstudium in Amsterdam/Paris bin ich nach Berlin gezogen und habe immer mehr elektronische Musik gespielt. Also „Tanz“ - Musik in Clubs und auf Festivals. Ich habe viel auf elektronischen Drumsets gespielt. Irgendwann habe ich auch im Stehen gespielt, war aber immer an meine Drum-Station gebunden. Ich liebe es, mich zu bewegen und zu tanzen und da dachte ich mir, wie toll wäre es doch, wenn ich die Bassdrums unter meinen Füßen hätte, die anderen Sounds auf meinem Körper erzeugen könnte und frei wäre, umherzuspringen, rumzulaufen oder sogar mitten im Publikum zu spielen. Den ersten „Body Pad“ Auftritt spielte ich 2014.

Wie sah dieser erste Prototyp aus?
Die ersten Pads waren Make-Up Döschen zum Zuschrauben in denen die Piezos steckten. Die Döschen habe ich natürlich modifiziert und am Ende mit Klettband an meine Kleidung geklettet. Dann habe ich noch Piezos in meine Schuhe vorne gesteckt.
Die Kabel der Pads hingen überall rum und endeten in einer Box, die ich mir umgehängt habe. Ein langes, dickes Kabel ging dann von mir zu einem Soundmodul. Abenteuerlich...

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Fashion Tech Designerin Maartje Djkstra?
Ich habe mit diesen „Body Pads“ auf einigen Music-Tech-Veranstaltungen gespielt und so kam es, dass ich auf einer Veranstaltung Maartje Dijkstra getroffen habe. Sie hat dort ihre Fashion-Tech-Kreationen ausgestellt, welche ich sehr ansprechend und inspirierend fand. Wir kamen ins Gespräch und sie meinte: „Lizzy, die Body Pads sind eine super Idee, aber das Ganze sieht einfach nicht gut aus!“
So entstand eine lange Zusammenarbeit zwischen Berlin und Rotterdam.
Nach dem ersten Drum Dress „The Polyphonic Drum Membrane“ (2015), welches wir zusammen kreiert haben, ist nun in 2017 das „3DDD“ (3D Drum Dress) entstanden.

Kannst du dich an die größten Herausforderungen bei der Realisierung des Projektes erinnern?
Ehrlich gesagt, ja. Durchhalten und Weitermachen! Das war definitiv meine größte Herausforderung. Egal wie viele Rückschläge, wie viele technische Ausfälle, wie viel Geld, wie viel Zeit, wie viel Kompromisse... Man muss einfach daran glauben und dranbleiben.

Was würde bei einem plötzlichen Regenschauer bei einem Open Air Konzert passieren?
Haha. Gute Frage. Dann würdest du mich sicherlich in dem nächstbesten Zelt wiederfinden. Bei dem 3D Drum Dress sind auch pralle Sonne und enorme Hitze ein Problem. Oder Stahlbeton Mauern. Das schafft mein Wifi leider nicht.

In Bezug auf das "3DDD" wird unter anderem von einem Wearable Instrument gesprochen – ließe sich die Idee auch für weitere Instrumente umsetzen und ist das vielleicht die Zukunft der Live-Performance?
Ich glaube nicht jeder Musiker/in träumt von einem Wearable Instrument. Aber klar wird das auch mit anderen Instrumenten gehen. Ich spiele ja auch nicht nur Drum Sounds auf meinen Pads. Ich kann auch Bässe, Melodien, Sprach-Samples, alles Mögliche erzeugen.
Und ja, ich bin mir sicher, dass wir in der Zukunft noch viele spannende und verrückte Live Performances bestaunen dürfen. Großer Fan bin ich ja auch von Imogen Heaps Musical Gloves.

Was ist das Ziel der Kreation? Wo soll es hingehen mit dem Drumkleid?
Am liebsten würde ich soviel es geht auf der ganzen Welt performen und sehr gerne als nächstes den asiatischen Markt kennenlernen. Ich liebe es irgendwo hinzugehen, mich einzustöpseln und Musik zu machen. Für mich ist das Drumkleid ja nicht nur eine schick anzuschauende Fashion-Tech-Erfindung, sondern eines meiner musikalischen Ausdrucksmittel.
Das "3DDD" ist einmalig und somit hilft es mir natürlich auch als Musikerin mich in dem Dschungel der Musikwelt zu etablieren. Ich bin gespannt wohin es mich noch bringt.

Warum ist Berlin die geeignete Stadt für innovative Ideen wie das 3D-Drum-Kleid?
Weil man hier so viele gleichgesinnte Künstler und verrückte Bastler trifft. Und viele Menschen mit Visionen, langem Atem und Experimentierfreude.

Was sind deine nächsten Projekte? Worauf können sich LIZZY-Fans in naher Zukunft freuen?
Ich habe grad mein erstes Solo Album fertig produziert, welches demnächst erscheint: „March to a Different Drummer“. Das CD-Case ist auch im DIY Style und ziemlich einzigartig, würde ich meinen. Es ist eine aufklappbare Bühne, in der man dann ein Hologramm-Video von mir sehen kann. Also ein Grund mehr, die CD zu kaufen! :)
Und es wird natürlich ein Release Konzert geben. Mit Drum Dress selbstverständlich und mal schauen was noch. Kommt alle vorbei!

Vielen Dank für die Antworten, Lizzy! Wir sind gespannt auf diese außergewöhniche CD und das Konzert!

Weitere Informationen
www.lizzy.berlin

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