Die “Going Green”-Bewegung auf deutschen Laufstegen

Sustainable fashion
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Donnerstag 23.08.2018
10:40 Uhr

Über das Event

Die Fast-Fashion-Industrie boomt in der gesamten westlichen Welt. Nie zuvor wurde in Deutschland so viel Kleidung konsumiert. Laut Statistischem Bundesamt haben die Deutschen im Jahr 2017 mehr als 75 Milliarden Euro für Kleidung und Schuhe ausgegeben. Ein Großteil dieser Kleidung wird in China, der Türkei oder Bangladesch unter oft fragwürdigen bis miserablen Bedingungen produziert und von dort importiert. Aber das ist nur die eine Seite des heutigen gesellschaftlichen Umgangs mit Mode. Es gibt noch einen anderen Trend: Die “Going Green”-Bewegung, die vor allem in den letzten Jahren deutlich erstarkt.

Das Fachmagazin Textilwirtschaft hat 2016 eine Umfrage durchgeführt, die ergab, dass 73 Prozent der Teilnehmer Nachhaltigkeit für ihre persönliche Kaufentscheidung wichtig finden. Mehr als die Hälfte der Befragten wäre nach eigener Angabe bereit, für umweltfreundliche sowie fair produzierte und gehandelte Mode mehr zu zahlen.

Grüne Mode-Stadt Berlin

Neu ist dieser Wunsch nach Nachhaltigkeit nicht. Bereits seit den 1970er Jahren gilt es in Deutschland auch in der Textilbranche als positives Brand-Merkmal, sich als nachhaltig und umweltbewusst zu präsentieren. Heute ist vor allem die deutsche Hauptstadt bekannt für das grüne Mode-Segment. Auf der Berlin Fashion Week wird der nachhaltigen Mode so viel Bedeutung gegeben, wie in keiner anderen internationalen Modewoche. Rund 140 deutsche und internationale Unternehmen und Brands haben im Juli ihre grünen Kollektionen und Konzepte im Greenshowroom und bei der Ethical Fashion Show vorgestellt.

Ganzheitliche Ansätze sind wichtig  

Eine besondere Herausforderung ist es, im Bereich der nachhaltigen Mode ganzheitliche Lösungsansätze zu finden. Im Idealfall wird ein Kleidungsstück entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Rohmaterial bis zum Endprodukt fair und nachhaltig produziert. Dabei sind viele Faktoren zu berücksichtigen, von den Arbeitsbedingungen aller beteiligten Arbeiter*innen und Produzent*innen bis zum Wasserverbrauch in der Herstellung und der möglichst langen Lebensdauer und Wiederverwertbarkeit der verarbeiteten Materialien.

Mode aus recyceltem Plastik

Besonders auf Plastik-Abfälle haben es viele Textilhersteller abgesehen. Kunststoff hat heute ein schlechteres Image denn je. Unsere Gewässer sind voll von Kleinstpartikeln, dem sogenannten Mikroplastik, das sich nicht abbaut und in Fisch- und letztlich auch Menschenmägen landet. Es gibt Müll-Teppiche und -Strudel in den Ozeanen, verursacht durch die mehrere Millionen Tonnen Plastik, die im Meer treiben.

Gleichzeitig ist Kunststoff ein Material, das in der Mode- und Textilindustrie viel zum Einsatz kommt. Daraus ergeben sich zahlreiche Recycling-Ansätze. Hersteller wie Adidas, Patagonia und Aevor verwenden Kunststoff-Abfälle von PET-Flaschen oder alten Fischernetzen, um daraus neue, hochwertige Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires herzustellen.

“Upcycling the Oceans” – das Nachhaltigkeitsprojekt von Ecoalf

Auch das Label Ecoalf reiht sich in die Hersteller ein, deren Nachhaltigkeitskonzept auf dem Recycling von Kunststoff-Abfällen basiert. Die aus recycelten PET-Flaschen hergestellte Kollektion wurde im Juli auf der Berlin Fashion Week im Rahmen der Ethical Fashion Show im Kraftwerk vorgestellt. Das Unternehmen, das 2009 entstand, weil der Gründer Javier Goyeneche frustriert war, von den großen Mengen an Abfall, die in westlichen Industrieländern produziert werden und zeigen wollte, dass man mit recycelten Materialien ebenso qualitativ hochwertige Produkte herstellen kann, wie mit nicht recycelten. Die gleichnamige Ecoalf-Stiftung hat im Jahr 2015 in Zusammenarbeit mit der HAP-Stiftung das Projekt “Upcycling the Oceans” ins Leben gerufen. Inzwischen sammeln Fischer an 28 spanischen Fischerhäfen Müll aus dem Meer. Bestimmte Arten von Abfall, wie das Plastik von PET-Flaschen, werden recycelt und aufbereitet, um daraus zeitgenössische, urbane Outdoor Mode, Accessoires und Schuhmode anzufertigen.

Fremdformat – ein ganzheitliches Konzept für fairen Schmuck

Schmuck aus recyceltem Altmetall von Fremdformat, ©Fremdformat

Nicht nur Plastik-Abfall lässt sich recyceln, sondern auch Altmetalle aus der industriellen Herstellung. Auf der Fashion Week im Juli im Kraftwerk waren auch Julia und Stefanie Gerner mit einem Stand ihres 2014 gegründeten Schmucklabels Fremdformat vertreten. Für ihre Schmuck-Kollektionen verwenden sie Materialien, die als Abfall in der Metall verarbeitenden Industrie anfallen und Rohstoffe von regional ansässigen Herstellern.

Bereits im Design-Prozess setzen sie auf einen Zero-Waste-Ansatz und versuchen, auch aus Reststücken möglichst noch etwas zu kreieren. Verwendet werden nur plastikfreie Verpackungen und gebrauchtes Versandmaterial und für den Versand nutzen sie die Dienste des klimaneutralen Versandunternehmens DHL GoGreen. In der Produktion wird auf tierische Inhaltsstoffe und schädliche Chemikalien verzichtet und sogar der Server ihres Online-Shops wird mit Öko-Strom betrieben.

"In der Textilindustrie ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den letzten Jahren immer grösser geworden. Im Schmuckbereich geht es jetzt langsam erst los. Auch wenn das Thema im Edelmetallbereich mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, fehlt es immer noch an verbindlichen Standards und verlässlichen Kontrollen. Es gibt bisher nur sehr wenige Hersteller*innen, die durchgehend fair und nachhaltig produzieren. Wir sind der Meinung, dass im Hinblick auf Ressourcen und Klima ein generelles Umdenken in diesem Sektor stattfinden muss.", erklären Julia und Stefanie Gerner.

Einen sehr informativen und umfassenden Artikel zum Thema Going Green von Flerida Regueira Cortizo und Annika Förster von Germany Trade & Invest gibt es auf der GTAI-Seite marketsgermany.com zu lesen.

Weitere Informationen
https://www.marketsgermany.com/going-green-on-germanys-catwalks/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161570/umfrage/konsumausgaben-privater-haushalte-in-deutschland-fuer-bekleidung-zeitreihe/
https://ecoalf.com/de/upcycling-the-oceans/
http://shop.fremdformat.de/about/

 

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Schmuck aus recyceltem Material von Fremdformat ©Fremdformat Schmuck aus recyceltem Material von Fremdformat ©Fremdformat