08.09.2020 Interview

Interview mit den Initiator*innen der FASHION POSITIONS Interview mit den Initiator*innen der FASHION POSITIONS

"Collect Fashion, Wear Art."

Den Initiator*innen der FASHION POSITIONS geht es darum eine Beziehung und Wechselwirkung von Kunst und Mode sichtbar zu machen. Kristian Jarmuschek ist Geschäftsführender Direktor der POSITIONS Berlin GmbH. Mira von der Osten ist die Gründerin und Designerin von CRUBA und darüber hinaus im Vorstand des Vereins Berliner Modedesigner*innen tätig. Olaf Kranz führt, gemeinsam mit seiner Frau Jennifer Brachmann, des Labels BRACHMANN und ist Vorstandsmitglied im Verein Berliner Modedesigner*innen. In Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin haben sie das neue Eventformat FASHION POSITIONS gegründet, das ausgewählten Designer*innen im Rahmen der Kunstmesse eine Plattform bietet, an der Schnittstelle zwischen Kunst und Mode die ästhetische Handschrift ihrer Labels zu inszenieren – und das im Austausch mit der Kunst.

© Stephen Wilks, courtesy of Hilgemann Art & the artist
© Stephen Wilks, courtesy of Hilgemann Art & the artist

Sie haben mit der FASHION POSITIONS ein neues Format ins Leben gerufen: Wie ist es dazu gekommen? Können Sie beschreiben, was der Kerngedanke war?

Mira von der Osten: Uns geht es darum Mode neu zu betrachten. So wie man an Kunst herantritt kann man auch Mode ganz anders erleben. „Collect Fashion, Wear Art“ ist unser Motto.

Olaf Kranz: Wir Initiator*innen der FASHION POSITIONS reden eigentlich seit 2018 darüber, wie man Kooperationen zwischen Mode und Kunst in Form interdisziplinärer Präsentationsformate so gestalten kann, dass sie für beide Seiten attraktiv sind. Berlin hat ja seit den 90er Jahren das interdisziplinäre Neben- und Miteinander der Kreativszenen ausgemacht. Wir wollen da wieder anknüpfen. Die Herausforderung für die Mode wird sein, ihre Kollektionen so zu präsentieren wie Galerien ihre Künstler präsentieren. Also statt ganzer Kollektionen wenige ausgewählte Showpieces, die eine Story erzählen und die Modeposition verdeutlichen. Das wird auf jeden Fall spannend.

Kristian Jarmuschek: Uns geht es in erster Linie darum die Beziehung und Wechselwirkung von Kunst und Mode sichtbar zu machen! Wir möchten die Wertigkeit von nachhaltiger Mode im Zeitalter von „Fast Fashion“ aufzeigen und Berlin als wichtigen Standort für unabhängige Fashion-Designer*innen weiterentwickeln. Das Publikum unserer Kunstmessen POSITIONS und paper positions besteht zu einem großen Teil aus urbanen, lifestyle- und designaffinen Besucher*innen, die ihre Neugier und starke Affinität zu Kunst, Design und Gestaltung auszeichnet. Da war es naheliegend diese spannenden Pole näher zusammenzubringen und damit die Modebranche synergetisch zu unterstützen. Zusammen mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin haben wir dann kurzerhand das neue Eventformat FASHION POSITIONS ermöglicht, das ausgewählten Designer*innen im Rahmen der Kunstmesse eine Plattform bietet, an der Schnittstelle zwischen Kunst und Mode die ästhetische Handschrift ihrer Labels im Kontext und im Austausch mit der Kunst zu inszenieren.

Was genau erwartet uns vom 10. bis zum 13. September?

Olaf Kranz: 20 Berliner Modedesigner*innen, die von einer hochkarätigen Jury ausgesucht worden sind, präsentieren ihre Labels und Arbeiten neben 130 internationalen Galerien der Positions Berlin Art Fair, der paper positions und der photo basel/berlin in den Hangars 3&4 des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof während der Berlin Art Week. Die Idee ist es ein Schlaglicht auf die Kreativität der unabhängigen Berliner Designer*innen zu werfen, indem man die Mode in den Kunstkontext rückt. Die Designer*innen zeigen ihre Mode, indem sie Kooperationen mit Künstlerinnen eingehen oder, indem sie die ästhetischen und künstlerischen Gestaltungsprinzipien ihrer Labels an ausgesuchten Einzelstücken und in den Galeriekojen visualisieren. Wir sind selbst extrem neugierig, wie die einzelnen teilnehmenden Labels diese Mission umsetzen. Alle Besucher*innen dürfen sich darauf freuen, neue Positionen in der Mode, als auch in der Kunst zu entdecken. Zusätzlich wird es aber auch in Nebenräumen der Messe einen Pop-Up-Bereich geben, in dem die Mode anprobiert und gekauft werden kann. Also nicht nur Mode schauen und mit den Designer*innen reden, sondern auch Mode zu kaufen – und zu sammeln ist möglich.

Warum passen die Felder Art und Fashion so gut zusammen?

Mira von der Osten: Beide Felder interessieren sich für das ästhetisch Neue, nur eben in unterschiedlichen Medien und die Mode natürlich eher mit Blick auf Tragbarkeit, Passform etc. Die Mode muss sich stärker mit nicht-ästhetischen Zwecken auseinandersetzen. Beide Felder haben sich seit Urzeiten eigentlich auch immer wechselseitig inspiriert. Und mit Blick auf das Heute sind wir neugierig darauf, was passiert, wenn diese beiden kreativen Disziplinen miteinander in Beziehung sind und wie das auf die Leute wirkt, die sich für Kreativität in all ihren Facetten interessieren. Viele Kunstinteressierte fragen, wo denn die Berliner Modedesigner*innen sind, wenn sie zur Berlin Art Week kommen. Die machen wir sichtbar. Und viele Modeleute interessieren sich natürlich auch für Kunst.

Hat das auch etwas mit dem Kreativ-Standort Berlin zu tun? Warum lässt sich ein Format wie die FASHION POSITIONS in Berlin besonders gut umsetzen?

Kristian Jarmuschek: Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass wir trotz der enormen Kurzfristigkeit des Projektes so eine großartige Jury und so ein tolles Teilnehmerfeld zusammenbekommen haben. Wir hatten kaum zwei Monate, um das Event zu organisieren. Das zeigt zum einen die Vielfalt und Reichhaltigkeit an Menschen in Berlin, die es so in Deutschland nirgendwo anders gibt. Zum anderen sind alle Teilnehmer*innen, von den Juroren, über die Designer bis hin zu den Absolventen der Academy Sonderpräsentation auch enorm begeistert, neugierig und offen für das neue Format. Diese Offenheit gab es auch von Anfang an beim Senat, der die FASHION POSITIONS ermöglicht hat und von der Berliner Sparkasse, die das Event unterstützt, indem sie zwei Preise stiftet – einen für die Designer*innen und einen für die Absolvent*innen. Insgesamt ist das eine super Berliner Mischung, die zeigt, wie diese Stadt sofort etwas Neues schafft, weil es hier einfach so viel Kreativität, Energie und Diversität gibt.

Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe / Projekt Zukunft hat insgesamt 20 Slots für Newcomertalente gefördert. Denken Sie, dass solche Förderungen dieses Jahr noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen haben als zuvor?

Olaf Kranz: Die FASHION POSITIONS wäre ohne die Förderung durch den Senat nicht möglich gewesen. Das hat zum einen mit diesem seltsamen Ausnahmejahr zu tun, zum anderen aber auch damit, dass es um ein völlig neues Eventformat geht, bei dem 20 Modelabels ein voll integriertes Teil einer Kunstmesse sind. Das ist schon auch ein großes Experiment für alle Beteiligten. Und da stellt sich schon die Frage: Wer hätte in der Krise Mut und Mittel, so ein Experiment einzugehen? Insofern sind wir dem Senat sehr dankbar, dass er sich hier innovativen Formaten öffnet.

Parallel zur FASHION POSITIONS findet die FASHION POSITIONS ACADEMY statt. Was können Sie uns darüber erzählen?

Mira von der Osten: Wir schmiegen uns damit an die Academy Positions an, die schon sehr lange ein Nachwuchsförderfomat im Kunstbereich für Abgänger der Kunsthochschulen, im Rahmen der POSITIONS Berlin Art Fair, darstellt. Dank eines Sponsorings durch die Berliner Sparkasse konnten wir es sechs Absolventen von den drei staatlichen Berliner Hochschulen mit einem Modestudiengang, nämlich der htw, der Kunsthochschule Weißensee und der UdK ermöglichen jeweils ihre Abschlusskollektionen zu präsentieren. Außerdem gibt es den FASHION POSITIONS Academy Award, der von der Berliner Sparkasse gestiftet ist und über den eine hochkarätige Jury entscheidet.

Gibt es bereits Pläne für die Zukunft bezüglich eines Ausbaus des Projekts?

Kristian Jarmuschek: Auf jeden Fall. Wir drei Initiator*innen des neuen Eventformats haben schon Ideen, wie sich das Projekt weiterentwickeln kann. Wir hoffen natürlich auch darauf, dass unsere Unterstützer*innen, also der Senat und die Berliner Sparkasse das Eventexperiment so geglückt finden werden, dass sie bei einer späteren Edition auch wieder mit dabei sind. Nach dem Event setzen wir uns zusammen und beraten, was gut war und was verbessert und anders gemacht werden kann. Aber im Moment ist es noch zu frisch, etwas Konkreteres dazu zu sagen.