Berlin macht sein eigenes Ding

© Caroline Kynast
© Caroline Kynast

Die Februar-Ausgabe der Berlin Fashion Week war ein voller Erfolg! Hier haben wir nochmal einige der berührendsten Momente, aufregendsten Verkündungen und schönsten Stimmen zusammengestellt.

Gefeierte Premiere: Intervention

Intervention nennt Mumi Haiati, Gründer der international gehypten Berliner Kreativ- und Kommunikationsagentur Reference Studios, das von ihm kuratierte und kreierte neue Format der Berlin Fashion Week. Seine Idee: “Eine neuartige Plattform für nationale und internationale Designer:innen zu schaffen, die in den offiziellen Kalender der Berlin Fashion integriert ist.”

Das Intervention-Debüt fand im stillgelegten C&A-Kaufhaus in Neukölln statt, wo neben Brand-Pop-Ups, Kunst-Installationen auch Modepräsentationen stattfanden. Etwa von Gerrit Jacob, Back2Back oder von Anonymous Club – wahrscheinlich der am meisten entgegen gefieberten Runway-Show der Saison. Nicht nur unter den Modelcast mischte der New Yorker Designer Shayne Oliver Berühmtheiten, etwa Kollege Stefano Pilati, sondern tummelte sich auch in der Frontrow das Who-is-Who Berlins: von Kurator Klaus Biesenbach bis hin zu Künstlerin Anne Imhof. 

Alle Infos und Bilder zur Kollektion gibt es hier.

"Die Berlin Fashion Week gewinnt wieder an Reputation als Förderer aufregender Nachwuchstalente, mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit und Inklusivität, der international vorbildlich ist.” - Malhia Shoaib, Vogue Business

Fest der Mode: Rianna + Nina

Knallige Farben, kunterbunte Swarovski-Steine und ein eklektischer Muster-Mix: Auch diese Saison bewiesen Rianna + Nina, dass sie die Kunst des “Mehr ist Mehr” bestens beherrschen. Die von Ikone Maria Callas inspirierte Kollektion präsentierte das Duo in den imposanten Hallen des Bode-Museums. Besonders beeindruckend – und emotional – war auch dieses Jahr wieder das große Finale, bei dem alle Models um die zu Tränen gerührten Designerinnen posierten: Ein pures Fest der Farben und Freude an Mode. 

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„Die Stärke dieser Modewoche liegt aber vor allem in ihrer Authentizität und Diversität. Die insgesamt 32 Shows der Berlin Fashion Week zeigten eine Vielfalt an Talenten mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Herkünften. Präsentiert wurden die Kollektionen in fantastischen Show-Locations, die eng verknüpft sind mit der Geschichte und Gegenwart dieser Stadt.“ - Lisa Riehl, Harper's Bazaar 

Bewegende Solidarität: PLNGNS 

Es war einer der berührendsten Momente der Berlin Fashion Week: Nicht nur für die Präsentation seiner Mode, sondern auch um auf den andauernden Krieg in seiner ukrainischen Heimat aufmerksam zu machen, nutzte Mitya Hontarenko seinen Runway. Neben seinen nachhaltigen, innovativen und künstlerischen Looks erschien zum Finale die ukrainische Flagge mit der Aufschrift “Free Maripol Defenders”. Zudem entwarf der Designer in Kooperation mit dem Label Wild Heart vor und nach der Show T-Shirts, deren Erlöse Geflüchteten zu Gute kommt. “Es ist unsere kleine Möglichkeit, einen großen Einfluss zu haben”, erklärt Mitya Hontarenko.

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“Sobald die Berliner Fashion Week sich locker macht, von falschen Erwartungen löst und sich auf ihre eigenen potenziellen Stärken besinnt, gibt es gar kein Problem mehr. Denn es ist doch alles da: lebendige Subkulturen als Referenz und Inspiration (von den Four Blocks-Dealern bis zu Sexpositiv-Partypublikum), ein permanenter Strom von zuziehenden Talenten und begeisterungsbereitem Publikum, stillgelegte Kaufhäuser (werden ja in Zukunft eher noch mehr) und eine lange Tradition, sich aus Trümmern und Schutt wieder zu erheben.” - Adriano Sack, die Welt

Couturesque Handwerkskunst: Lou de Bètoly 

Die Handwerkskunst und ihre ganz eigene, einzigartige Ästhetik stehen seit jeher im Mittelpunkt der Kollektionen der Französin Lou de Bétoly. Besonders bewegend und vor allem beeindruckend waren die Looks, die die Wahlberlinerin diese Saison zeigt. Nicht nur waren es besonders viele – 33! – sondern entstanden auch diese Saison wieder alle von Hand, couturesque und glichen zarten Kunstwerken. Auf ihrem Runway, in einem ehemaligen Möbelladen und in kontrastreicher Baustellenatmosphäre, inszenierte sie ihre pastellfarbenen, absolut filigranen Häkelententwürfe, die von Lingerie, körperbetonten Minikleidern bis hin zu Manteldesigns reichten und das Publikum zum Staunen brachte. 

“Nachdem man alle Shows aus der ersten Reihe gesehen hat, ist eines klar: Die Zukunft der Modewelt sieht vielversprechend aus, wenn es nach diesen Designer:innen geht. Sie alle legen großen Wert auf Nachhaltigkeit, arbeiten mit Upcycling-Materialien, modernsten Techniken und betrachten Mode aus ihrer ganz eigenen Perspektive.” - Emma Vloeimans, Harper’s Bazaar NL 

Großes Announcement: Der FCG und VOGUE Fashion Fund 

International gehört der von Condé Nast ins Leben gerufene Fashion Fund zu einem der renommiertesten und begehrtesten Modepreisen weltweit. In den USA, Großbritannien, Spanien und China ist die Designer:innen-Nachwuchsförderung bereits etabliert, nun folgt Deutschland. Hierfür haben sich Vogue und der Fashion Council Germany mit Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe zusammengetan, um hiesige, aufstrebende Designtalente zu fördern. Der oder die Gewinner:in erhält neben einem Preisgeld ein exklusives Mentoring Programm, PR-Unterstützung und einen Slot auf dem offiziellen Berlin Fashion Week-Kalender für Februar 2025. Alles in einem Gesamtwert von rund 100.000 Euro. 

Hier gibt es noch mehr Infos: https://www.fashion-council-germany.org/fcg-vogue-fashion-fund-submission

„Aber jetzt, so scheint es, hat die Berlin Fashion Week ihren Groove gefunden. Die Organisator:innen haben entschieden, dass Berlin sein eigenes Ding machen und sich auf das konzentrieren sollte, was die deutsche Hauptstadt am besten kann: Kreativität, Kultur, Clubbing und die Förderung eines unabhängigen, künstlerischen Geistes.“ - Cathrin Schaer, WWD